Magerwiese © Matthias Sorg

Natur-Initiative-Medienmitteilung der Initianten zum Gegenvorschlag des Regierungsrats

26.11.2019

Die natürliche Vielfalt im Kanton Zürich nimmt stark und rasch ab. Der Regierungsrat anerkennt in seinem Gegenvorschlag zur Natur-Initiative zwar das Problem, will es aber trotz dringenden Handlungsbedarfs nicht ernsthaft lösen.

Heute steht die Natur im Kanton Zürich auf der Verliererseite. Innert 30 Jahren verliert der Igel in der Stadt Zürich 40% seines Lebensraums, über 100'000 Vögel weniger leben im Kanton, und die Population der Bachforelle bricht völlig ein. Das sind keine Einzelfälle, die Biodiversität nimmt bei uns allgemein rasch und stark ab. Wollen wir die Natur als unsere Lebensgrundlage erhalten, müssen wir dringend handeln. Die Natur-Initiative verlangt genau das: Der Kanton Zürich soll im Natur- und Heimatschutzfonds jährlich mindestens 55 Mio. Franken bereitstellen. Davon sind 48 Mio. Franken für die Natur reserviert; so viel, wie es der Regierungsrat schon 1995 im Naturschutz-Gesamtkonzept als nötig erachtet hatte. Mehr Blumen in den Wiesen, mehr natürliche Vielfalt in Wald und Siedlungsraum, lebendigere Bäche und Flüsse und vieles mehr machen unsere ökologische Infrastruktur (siehe Kasten Seite 2) aus. Dafür braucht es jetzt dringend mehr Investitionen.

Regierungsrat lässt starken Biodiversitätsverlust zu

Der Regierungsrat anerkennt zwar das Problem und zeigt den finanziellen Handlungsbedarf zur Rettung der Zürcher Natur klar auf. Er handelt aber nicht danach: Er will sein Engagement für die Natur nur stufenweise und vor allem nicht auf die erforderliche Höhe steigern. Dass er gemäss seinem Vorschlag erst ab 2024 33 Mio. Franken für die Natur bereitstellen will (siehe Graphik), ist sachlich völlig ungenügend und politisch unverständlich. Mit diesem Vorschlag geht das Artensterben wie auch der Verlust an Lebensraum und genetischer Vielfalt im Kanton Zürich noch jahrzehntelang weiter: Der Regierungsrat selber führt aus, dass er mit seinem Vorschlag den starken Biodiversitätsverlust nicht stoppen kann (Zielerreichung 2035: gut 70 %). So nimmt er seine Verantwortung nicht wahr, unseren Nachkommen eine vielfältige Natur zu hinterlassen, die zum Beispiel den Klimawandel auffangen kann.

Kantonsrat muss nachbessern

Immerhin bildet die sachliche Darstellung sowohl des Handlungsbedarfs als auch der mangelhaften Zielerreichung eine gute Basis für die Diskussion im Parlament. Die Initianten fordern den Kantonsrat auf, den Handlungsbedarf aufzunehmen und einen zukunftsfähigenEntscheid für die Erhaltung der Biodiversität im Kanton Zürich zu fällen.

Ökologische Infrastruktur erhalten

Eine intakte Natur ist nichts anderes als unsere ökologische Infrastruktur. Sie besteht aus unserenNaturschutzgebieten, vernetzt durch hochwertige Lebensräume wie zum Beispiel artenreiche Blumenwiesen, vielfältige Hecken oder natürlich fliessende Bäche. Sie ist unsere wichtigste Infrastruktur, weil sie unsere unverzichtbare Lebensgrundlage ist. Jede Infrastruktur muss die nötige Quantität und Qualität aufweisen sowie dauernd unterhalten werden. In die Strassen- und Schieneninfrastruktur investiert der Kanton Zürich 542 Mio. Franken (Strassenfonds, Bahninfrastrukturfonds und Verkehrsfonds, 2019). In die ökologische Infrastruktur sind es 2019 ungenügende 19 Mio. Franken (Natur- und Heimatschutzfonds, Teil Naturschutz). Investieren wir genügend in unsere ökologische Infrastruktur, sichern wir unsere Zukunft!

Die Zahlen zum Natur- und Heimatschutzfonds NHF

Gemäss Naturschutz-Gesamtkonzept sind jährlich 49 Mio. Franken für Naturschutz nötig, um die Biodiversität im Kanton Zürich auf dem heutigen Stand zu halten. Heute legen wir 19 Mio. für Naturschutz ein, die Natur-Initiative verlangt 48 Mio., der Regierungsrat schlägt 33 Mio. Franken vor. (Die Gesamteinlage ist jeweils um 7 Mio. für Heimatschutz höher; dieser Teil ist von der Natur-Initiative nicht tangiert.)

Andreas Hasler
Vertreter der Initiativorganisationen
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044 463 07 74



Graphik zum Natur- und Heimatschutzfonds NHF

Zahlen zum Natur- und Heimatschutzfonds HNF
NSGK = Naturschutzgesamtkonzept des Regierungsgrats 1995