Eigental 2

Warum die dringend nötige Eingental-Strassenschliessung ins Wanken gerät

Zähe Verhandlungen am «Runden Tisch Eigental» führten vor zehn Jahren zu einem Kompromiss, um das seltene Lebensraum-Mosaik im Eigental zu schützen. Nun gerät dieser Kompromiss ins Wanken. Ob die Strassenschliessung 2027 wie vereinbart in Kraft tritt, ist entscheidend für den Schutz des Gebiets.

Nach starken Frostschäden wurde die Eigentalstrasse Anfang 2013 gesperrt. Die geplante Sanierung führte zu juristischen Auseinandersetzungen zwischen Gemeinden, Privaten und Naturschutzorganisationen, darunter auch Pro Natura Zürich. Nachdem der Bezirksrat eine Sanierung mit Amphibientunnels beschlossen hatte, gelangten Gemeinden sowie die kantonalen Naturschutzorganisationen ans Verwaltungsgericht. Dieses hielt fest, dass die Umfahrungen zumutbar seien und bestehende Beeinträchtigungen von Schutzgebieten möglichst reduziert werden müssten. Gleichzeitig verlangte es ein koordiniertes Verfahren, den sogenannten «Runden Tisch Eigental».

Historischer Kompromiss

Nach mehrjährigen Verhandlungen einigten sich 2017 am «Runden Tisch Eigental» Vertreter:innen von sechs Gemeinden, vier kantonalen Amtsstellen und acht Interessengruppen auf einen Kompromiss: Die Eigentalstrasse sollte nochmals für zehn Jahre für den Verkehr geöffnet bleiben, um den umliegenden Gemeinden Zeit zu geben, die Verkehrsführung anzupassen. Danach – konkret ab August 2027 – soll die Strasse für den motorisierten Individualverkehr dauerhaft geschlossen und auf dem Trassee ein regionaler Radweg realisiert werden. Dieser Beschluss wurde rechtsgültig.

Neuntöter Eigental
Der Neuntöter gehört zu den Vögeln, die auf reichhaltige Insektenbestände angewiesen sind.

Rechtswidriger Widerruf und Vertrauensbruch 

Ab 2022 regte sich in mehreren Gemeinden Widerstand gegen die geplante Schliessung. In Oberembrach, Nürensdorf und Kloten wurden insgesamt CHF 2,25 Mio. gesprochen, um die Offenhaltung der Strasse zu unterstützen. Mit diesen Mitteln organisierte die Allianz «Unser Eigental» den Widerstand professionell. Ein Aktionstag im März 2025 mobilisierte zahlreiche Menschen aus der Region gegen die Schliessung. Im Oktober 2025 brachen die Gemeinderäte von Nürensdorf und Oberembrach schlussendlich den Kompromiss, indem sie ihre Zustimmungsbeschlüsse von 2017 einseitig widerriefen. Pro Natura, BirdLife und WWF erhoben dagegen Rekurs. Denn diese einseitige Kündigung stellte nicht nur eine Rechtsverletzung dar, sondern auch ein Vertrauensbruch gegenüber dem über Jahre ausgehandelten Kompromiss von 2017.

Das Baurekursgericht hiess im Juni 2026 die Beschwerde der Naturschutzorganisationen gut. Es hält in seinem Entscheid unter anderem fest, dass die Gemeinden das rechtliche Gehör der betroffenen Naturschutzorganisationen und weiterer legitimierter Parteien verletzt haben. Die Gemeinderäte handelten im Alleingang, ohne jede Anhörung. Weiter entschied das Gericht, dass der Widerruf der aus Naturschutzgründen beschlossenen Strassensperrung zwingend mit der zuständigen Baudirektion hätte abgestimmt werden müssen. Dieses Urteil des Baurekursgerichts stärkt den Rechtsstaat und zeigt, dass demokratisch und rechtsgültig beschlossene Naturschutzmassnahmen nicht einfach einseitig ausgehebelt werden können.

Rasche Umsetzung der Strassenschliessung nötig

Aus Sicht der Naturschutzorganisationen ist es nun entscheidend, dass nach diesem klaren Urteil alle Beteiligten – Gemeinden, Kanton und zuständige Stellen – unverzüglich die notwendigen planerischen und rechtlichen Schritte einleiten. Nur so kann die Eigentalstrasse wie vereinbart im August 2027 für den motorisierten Individualverkehr geschlossen werden kann. Jede weitere Verzögerung geht auf Kosten eines einzigartigen Naturraums und der Amphibien, Vögel und weiteren Wildtiere, die ihn bewohnen.